Selbstbestimmtes, gemeinschaftliches Leben und Wohnen im Alter

Ambulant betreute Wohngemeinschaft für Senioren

 

PRÄAMBEL

Wir als Angehörige/Bevollmächtigte/Betreuer von Senioren im hohen Alter machen uns seit einiger Zeit intensiv Gedanken über ein Altern in hoher Lebensqualität und um seine Individualität zu erhalten, insbesondere auch bei Verlust von körperlicher und/oder geistiger Vitalität.

Die bisherigen Möglichkeiten der Angebote von Pflege scheiden für uns aus unterschiedlichen Gründen aus.

Etablierte individuelle Begleitung im Alter und bei Krankheit im angestammten Zuhause unter Ausnutzung aller Hilfmöglichkeiten scheitern meistens an einer hohen, kaum langfristig tragbaren finanziellen Belastung. Gleichzeitig lassen heutige Lebenskonzepte sowohl familiär als auch räumlich nur unzureichend Raum für eine dauerhafte innerfamiliäre Betreuung und Pflege.

Wir als Angehörige fühlen uns gefordert und wünschen uns das Bestmögliche für unsere Mütter/Väter und/oder Lebenspartner zu finanzierbaren Bedingungen.

Mit der Reform der Pflegeversicherung und der Möglichkeit des so genannten Poolens von Leistungen sehen wir erstmals konkret die Möglichkeit die Lebens- und Wohnform für unsere Betreuten zu organisieren und zu gestalten, so wie sie es unserer Meinung nach haben wollten.

In diesem Sinne haben wir uns als Angehörige und Bevollmächtigte zusammengetan um eine neue Form von selbst bestimmtem Leben, in Form einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für unsere Angehörigen, zu fördern.

 

KONZEPTION DER WOHNGEMEINSCHAFT

weihnachten1Ambulant betreute Wohngemeinschaften / WG (nicht nur) für Menschen mit Demenz sind ein etablierter Bestandteil der sozial-pflegerischen Versorgung geworden. Regional unterschiedlich verteilt bietet sich eine fachpflegerisch und konzeptionell attraktive Alternative zur klassischen Versorgung in stationären Einrichtungen. Ambulant betreute Wohngemeinschaften können sich der Wohn- und Betreuungsform anpassen. Wir glauben, dass diese Betreuungsform den Anspruch an eine angemessene Wohn- und Betreuungsform erfüllt.

Der große Vorteil dieser Wohnform ist, dass die eigene Häuslichkeit soweit wie möglich erhalten bleiben kann. Der Alltag und der Rhythmus werden von den Bewohnern bestimmt, die Zimmer nach individuellen Wünschen eingerichtet. Die Nähe zu den Angehörigen bleibt bestehen, da diese den Alltag mitbestimmen und mit einbezogen werden können bei der Pflege.

Durch die langjährigen Erfahrungen mit unserer Wohnform, die einer Großfamilie gleicht, stoßen immer mehr Interessierte auf die Art der Wohnform die wir praktizieren.

Die geteilte Verantwortung ist der große Vorteil dieser Wohnform:
Hier kommt auf die Angehörigen/Betreuer/Bevollmächtigten eine entscheidende Aufgabe zu. Sie tragen gemeinschaftlich die Verantwortung für die Wohngemeinschaft. Während die beteiligten Pflegedienste- Betreuungsdienste ihre Pflege und Fachlichkeit als Dienstleister und "Gast" im Haus erbringen. Es ist die gemeinschaftliche Aufgabe der Bewohner mit den Angehörigen, Fragen der Alltagsgestaltung, der Anschaffungen, was gegessen und getrungen wird, wie die Räume einzurichten sind oder auch Aufnahme neuer Mitglieder in die WG miteinander abzusprechen.

Die Dauer des Wohnens richtet sich nach dem allgemeinen Mietrecht. Dadurch ist in der Regel ein Leben in der WG sichergestellt bis zum Tod. Selbstbestimmung und Selbstorganisation in allen Lebensbereichen ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal dieser Wohnform. Hierzu finden regelmäßige Treffen der Angehörigen statt. Die Intervalle sind durch die Angehörigen festzulegen.

Vorraussetzung und Grundlage der Finanzierung ist die ambulante Versorgung der Mieter. Das heißt die Mitglieder der WG leben in einer gemeinschaftlichen aber eigenen Häuslichkeit. Es gibt keinen Einrichtungsträger, die Trennung von Vermieter und Pflegeanbieter ist gegeben. Der Pflegeanbieter/Dienstleister wird von der WG als Auftraggebergemeinschaft frei ausgewählt. Die Mieter haben das Hausrecht.


INHALTLICHE ASPEKTE

weihnachten2Die Bewohner werden nicht vorrangig als Kranke oder Patienten betrachtet, sondern als Personen mit individuellen Bedürfnissen (Identität, Teilnahme; Einbezogen sein; Trost; Freude; Rückzug; Selbstbestimmung; ... ) und individuellen Fähigkeiten.

Zur Befriedigung der Bedürfnisse brauchen sie eventuell Anleitung oder Unterstützung durch andere Personen.

Aufgabe von Pflegenden oder Betreuenden in der WG ist es, sich den Bewohnern als Unterstützung zur Seite zu stellen. So fühlen sich die Bewohner als Menschen mit eigener Identität und Würde, erfahren Wohlbefinden und Lebensqualität in einer privaten Atmosphäre. Der Tagesablauf in einem so kleinen geschützten Rahmen wirkt Angst reduzierend sowie anregend. Durch die enge Bindung an vertraute Betreuungskräfte wird dem Gefühl des Defizits im Alter entgegengewirkt. Die Tagesstruktur ist nicht vorgegeben sondern ergibt sich aus den Bedürfnissen jedes einzelnen Bewohners. Im Vordergrund steht die Organisation des Haushalts, in dem die Bewohner nach ihren Wünschen leben. Sie sind nach ihren Fähigkeiten und Vorlieben in den Tagesablauf miteinbezogen (Kochen, Putzen, Waschen, Bügeln). Festlichkeiten werden mit Dekoration und Mahlzeiten gemeinschaftlich organisiert und ausgeführt. Geburts- sowie Namenstage werden gemeinsam gefeiert.

Ein anregendes Umfeld trägt zu ausreichend und sinnvoller Beschäftigung bei und sorgt dafür, dass nicht auf künstliche Beschäftigungsangebote zurück gegriffen werden muss.

Die Gastrolle des Betreuungs- und Pflegeteams ist den Betreuern/Betreuerinnen stets bewusst.


DIE ROLLE DER ANGEHÖRIGEN / BEVOLLMÄCHTIGTEN / BETREUER

weihnachten3Die ambulant betreute WG ermöglicht ein selbst bestimmtes Leben für Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Einschränkungne im geschützten Rahmen der eigenen Häuslichkeit. Die WG bietet pflegenden Angehörigen dauerhaft Entlastung, wenn die Pflege Betreuung des Familienangehörigen zu Hause aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr möglich ist.

Die Bewohner entscheiden selbst wie sich ihr Leben innerhalb der WG gestaltet. Angehörige/Bevollmächtigte/Betreuer der Bewohner oder Bewohnerinnen entscheiden stellvertretend für hre Betreuten, wenn diese dazu selbst nicht mehr in der Lage sind. Die Angehörigen können innerhalb der WG die familiären Beziehungen weiter gestalten. Ein aktiver Umgang mit dem Bewohner durch Familie und Freunde ist wünschenswert (gemeinsame Aktivitäten, Wohnraumgestaltung, usw. )

Die Bedürfnisse eines jeden einzelnen sind zu beachten um ein selbstbestimmtes, individuelles Leben zu führen. Vertrautheit und Häuslichkeit stehen immer im Mittelpunkt. Individualitäten ergeben sich aus der Biographie eines jeden einzelnen Menschen, daher ist die Mitwirkung der Angehörigen ganz besonders wichtig.

Angehörige und Betreuer regeln das Verfahren und den Rhythmus der Besprechungen selbst. Zur Klärung gemeinschaftlicher Fragen haben sich die Mitglieder selbst zu einigen und ein gutes Ergebnist zum Wohl der WG zu erzielen.

Im Bedarfsfall kann die WG den Vermieter, den Pflegedienstleister oder andere Dienstleister zu festgelegten Tagesordnungspunkten unterstützend und beratend und als Informant hinzuziehen.

Die Bewohner/innen, die stellvertretenden Angehörigen/Bevollmächtigten/Betreuer sowie der Viermieter entscheiden gemeinsam, wer in die WG mit einzieht. Der Pflege- Betreuungsdienst sollte beratend hinzugezogen werden, um aus fachlicher Sicht sowie zur Einschätzung der Gruppensituation Stellung zu nehmen. Die Entscheidung sollte in einem Konsens geschehen.

Die Mieter bzw. die Betreuer und Angehörigen bestimmen, wer Zugang zu der Wohnung hat. Sie bestimmen gemeinsam Regeln fürs Zusammenleben. Die Auftraggebergemeinschaft entscheidet sich für einen Dienstleister. Im Austausch mit dem Pflegedienst sind klare Kommunikationswege zur Informationsweitergabe von gemeinschaftlich relevanten Fragen sowie Alltagsfragen notwendig. Der Pflegedienst benennt innerhalb des Pflegeteams einen festen Ansprechpartner für formale Regelungen.

Der Pflegedienst ist ein Dienstleister und somit Gast in den Räumen der WG. Es gibt keinen separaten Raum(Büro) für die Belange des Dienstleisters. Die Mitglieder der Wohngemeinschaft als Auftraggebergemeinschaft können dem Pflegedienst kündigen ohne dadurch das Wohnrecht zu verlieren. Angehörige und Betreuer haben jederzeit die Möglichkeit, die Qualität der Pflege und Betreuung vor Ort zu prüfen. Der Dienstleister hat eine qualitativ hochwertige, auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmte Versorgung sicher zu stellen und trägt für die kontinuierliche Qualifizierung des Pflege- und Betreuungsteam sorge.

Eine hohe Lebensqualität zu erreichen, ist das Ergebnis einer vertrauensvollen und produktiven Zusammenarbeit von Bewohnern/innen, Angehörigen/Bevollmächtigten/Betreuern, Vermieter, Pflege-Betreuungsteam und anderen Dienstleistern. Die Bewohner/innen, stellvertretend deren Angehörigen/Bevollmächtigten/Betreuern bilden formal eine Auftraggebergemeinschaft (kurz AGG). Innerhalb der AGG wird ein offizieller Vertreter/Sprecher der AGG bestimmt. Dieser Vertreter vertritt die AGG nach außen und bildet die Vertrauenspers für alle Beteiligten. Die AGG erstellt eine formlose Vereinbarung/Satzung, welche das Miteinander innerhalb der WG und die Vertretung nach außen hin regelt.

 

WÜNSCHENSWERTES BEIM EINZUG VON NEUEN BEWOHNERN

Es gilt einiges zu beachten bei einer WG, um diese erfolgreich zu erhalten. Für neue Mitbewohner der WG sollten möglichst nachfolgende Punkte zutreffen:

  • Ein ungefährdetes Leben in der häuslichen Atmosphäre ist nicht mehr möglich, da die punktuellen Einsätze eines mobilen Pflegedienstes seine Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann.
  • Es ist wünschenswert dass die zukünftigen Bewohner/innen der WG bei Einzug noch mobil und kommunikationsfähig sowie in der Lage sind, an der Gestaltung der WG noch aktiv teilzunehmen.
  • Bei den Angehörigen sollte der Wunsch bestehend die Pflegebedürftigen aktiv zu begleiten und zu unterstützen
  • Es sollte der Wunsch nach einem dauerhaften leben in der WG bestehen.